Reisebericht: Marokkko

 

Marokko - Goldgelbes Königreich

von Christoph Bacher

 

Von Rabat über Marrakesch nach Fez – die schönste Route durch Marokko. Mit dabei: ein kleiner Abstecher zu den goldgeschwungenen Dünen der Sahara.

Traumstrände am Atlantik, spektakuläre Gebirgszüge im Atlas – und Sanddünen, die man nie vergisst. Versprochen!

Reisen Sie nicht wie ich nach Marokko. Nehmen Sie einfach den Flieger nach Marrakesch, Tanger, Casablanca oder Rabat. Das schicke ich lieber gleich vorweg und erspare Ihnen die Schilderung von der Fähre, auf der ich 48 Stunden in einer winzigen Kabine von Genua nach Tanger bei rauer See litt, sodass ich nur noch abwehrend den Kopf schütteln konnte, als man mich nach meinem Frühstückswunsch fragte. Doch lassen wir das.

Tags darauf mieten wir ein Auto und brechen auf gen Süden. Das Fahren in Marokko ist keine große Sache. Außer in den Städten, wo man sanften Blechkontakt kaum vermeiden kann. Doch die Vermieter wissen das und kümmern sich zumeist nicht um kleine Dellen. Unsere erste fangen wir in Rabat ein – der weißen Königsstadt. Den Verkehrsstress bauen wir in der Nekropole Chellah, dem eindrucksvollen Mausoleum Mohammeds V. und vor allem am idyllischen Hafen ab, in dem noch immer tiefblaue Fischer- boote schaukeln. Stundenlang kann man hier am Ufer entlangspazieren und mit den überaus freundlichen Marokkanern über Weltpolitik fabulieren.

Hektisch wird es erst wieder in der südlich gelegenen Wirtschaftsmetropole Casablanca. Hier thront die Hassan-II.-Moschee, die mit ihren 210 Metern das höchste religiöse Gebäude der Welt ist. Sonst ist die pulsierende Stadt vor allem für cineastische Romantiker – eine Enttäuschung. Der historische Charme wich schon vor Jahrzehnten Einheitsarchitektur mit bunten Leucht- reklamen. Rick’s Café gibt es zwar als touristischen Nachbau, Humphrey Bogart hätte hier wohl aber keinen Whiskey geschlürft. Wir brechen daher gleich auf und fahren das tiefblaue Meer entlang Richtung Süden – nach Essaouira. Der Küstenort ist Treffpunkt für Surfer und Sonnenanbeter, die maurisch-portugiesische Altstadt zählt zu den schönsten an der Atlantik-küste. Mein Tipp: Buchen Sie ein Zimmer mit Dachterrasse, und genießen Sie den Blick auf das Meer. Jimi Hendrix tat das schon in den 60er-Jahren und komponierte dabei einige seiner größten Hits. Wer zwischen den Dünen wandert, sieht heute noch Jünger des Groß-Hippies, die versuchen, es ihrem Idol gleichzutun. Kulinarisch sollten Sie auf keinen Fall den Fischmarkt am Hafen auslassen. Dort wählt man Meeresfrüchte aus, die dann sofort zubereitet werden.

Doch genug der chronologischen Abhandlung, ich verfalle jetzt besser in zusammenfassende Schwärmerei. Denn im Landesinneren, am Weg vorbei an verwunschenen, oft seit Jahrzehnten verlassenen Wüstenschlössern, die man hier Kasbahs nennt, liegen die Königsstädte Fez und Marrakesch.  Erstere hat die am besten erhaltene Medina (Altstadt) der Welt, in die man keinesfalls ohne Führer spazieren sollte. Den Weg heraus findet man unmöglich allein. Klar wird allerorts Handgeknüpftes und Tönernes feilgeboten, wer aber ein Auge für Qualität hat, kann durchaus Schnäppchen ergattern. In Marrakesch dagegen verbringt man am besten die ganze Nacht am Marktplatz Djemaa el-Fna. Sie werden sehen, Sie wollen danach 1.001 Nacht mehr.

Tagsüber staunt man hier über Schlangenbeschwörer, Wasserträger, falsche Ärzte, einzelne Musikanten und Kräuterhändler. Und abends öffnet das  größte Freiluftrestaurant der Welt, auf dem man sich günstig durch die arabische Gewürzwelt kosten kann.

Doch genug der lukullischen Genüsse. Sonst kommt die einzigartige Naturkulisse des Landes zu kurz. Denn gleich nach Marrakesch beginnt der Hohe Atlas mit seinen spektakulären Felsformationen. Die wohl  berühmtesten sind die engen, gewaltig aufragenden Schluchten von Dades und Todra. Wanderer können hier Wochen verbringen, ohne aus dem Staunen herauszukommen. 200 Kilometer südlich von Marrakesch liegt schließlich das Lehmdorf Ait Benhaddou auf einem Hügel. Gesehen haben Sie das Ksar (so nennt man diese befestigten Dörfer) sicher schon – in Kinofilmen wie ›Gladiator‹, ›Lawrence von Arabien‹, ›Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil‹ oder ›Alexander‹. Was Sie aber noch nicht gesehen haben, ist der Sternenhimmel hier. Ich habe weltweit bisher keinen schöneren gesehen.

Kehren wir jetzt aber zurück zum Anfang dieser Geschichte. Erinnern Sie sich noch an das große Bild auf der vorigen Seite? Den goldgelben Sand, den blau gewandeten Targi, der voranschreitet, das Kamel, das sanft über Dünen schaukelt? Wenn Sie das erleben möchten, fahren Sie weiter in den Süden – ins Örtchen Zagora. Hier bieten unzählige Führer Touren in die Sahara an. Wer nur Eindrücke sammeln will, bleibt eine Nacht. Mutige
buchen aber Touren über mehrere Tage. Ich verspreche Ihnen: Sie werden diese Stille, die für unsere reizüberfluteten Ohren fast unheimlich wirkt, nie vergessen. Das einzige Geräusch, das die sternenklare Nacht unterbricht, ist das ständige Rascheln der Wüstenmäuse. Doch das ist eine ganz andere Geschichte …

 

Fotos: Shutterstock, Wurnig