Reisebericht: Myanmar

Myanmar - Das goldene Land

von Christoph Bacher

Wenn man die Politik ausblendet, ist Myanmar sicher eines der schönsten Länder Asiens – mit goldenen Pagoden, ewig lächelnden Menschen und dem einzigartigen Bagan. Eine Rundreise.


›Also ich hätte ein schlechtes Gewissen‹, donnerte eine Freundin, ›wenn ich dorthin fahren würde.‹
Zugegeben: Myanmar ist seit Jahrzehnten ein Militärstaat, die Opposition hat wenig zu reden. Doch gerade als Reisender kommt man mit den Menschen in Berührung, lernt ihre Mentalität und Probleme kennen – und kann Politik dann völlig neu beurteilen. Und abgesehen davon: Myanmar, das einstige Burma, ist sicher eines der schönsten Länder Asiens. Ein Land, das auch alle überraschen wird, die glauben, nach einem Vietnam-Urlaub Südostasien zu kennen.


Abfahrt aus Yangon. Unser Abenteuer beginnt in der größten Stadt des Landes, in Yangon. Denn: Wir haben – wie alle Neuankömmlinge – kein Geld in nationaler Währung. Und die bekommt man in Myanmar nicht auf der Bank (der offizielle Wechselkurs ist nur ein Bruchteil des eigentlichen Wertes), sondern auf dem Schwarzmarkt. Den Tipp gibt uns der Fahrer, der uns die nächsten Wochen durch das goldene Land begleiten wird. Also wechseln wir ein paar Hundert Euro, stecken dafür einen ganzen Sack lokaler Banknoten ein und ziehen los.


Das erste Ziel: der Goldene Fels im Osten der Hauptstadt, eine der heiligsten buddhistischen Stätten in Myanmar. Der gewaltige Stein hängt über einem Abgrund, umgeben von spektakulärer Bergwelt, und soll – so will es die Legende – von einem Haar Buddhas gehalten werden. Hier erleben wir zum ersten Mal die tiefe Spiritualität, die die Menschen Myanmars auszeichnet, ihre Freundlichkeit mit dem ehrlichen Lächeln im Gesicht. Bis auf den Gesang der rot gekleideten Mönche ist es still – und die politische Wirklichkeit weit weg. Am See der einbeinigen Fischer. Unsere Reise führt weiter nach Norden, durch die letzten verbliebenen Urwälder des Landes, in denen noch einige wenige Elefanten und vereinzelt sogar Tiger leben sollen. Unser nächstes Ziel: der Inle-See. Hier gibt es schwimmende Gärten, wie man sie vielleicht aus Thailand kennt.


Die wahre Besonderheit sind aber die Inthas, die in Pfahlbauten auf dem See leben und ihre Langschwanzboote mit einer ausgeklügelten Einbeintechnik über das Wasser steuern. Den Longyi, den traditionellen Wickelrock, über die Knie gerafft, stehen sie mit einem Bein auf einer Plattform am Heck, während sie das andere um ein Ruder schlingen. So bewegen sie die Boote mit kräftigen Paddelstößen und haben beide Hände frei, um ihre Netze auszuwerfen und einzuholen. Auf unserem weiteren Weg zählen wir Dutzende Pagoden, die meisten mit  Blattgold geradezu zugekleistert. Religion ist für die Menschen hier alles – und sie bleibt trotzdem ausgesprochen friedlich. Auch in Mandalay, der einstigen Hauptstadt Burmas, die an einer Biegung des Irawadi-Flusses liegt. Ein Muss am Besichtigungsplan: die U-Bein-Brücke, die längste Teakholz-Brücke der Welt, die nicht nur die Leser des Bestsellers ›Der Glaspalast‹ sehen sollten. Und die Kuthodaw-Pagode (Pagode der Königlichen Verdienste) mit ihren 729 pavillonartigen Tempeln, in denen je eine weiße Marmorplatte liegt.

 


Auf ihnen ist der Pali-Kanon festgehalten, das Leben und die Lehren Buddhas. Von Mandalay aus sollte man unbedingt auch den spektakulären Tempel von Mingun besichtigen. Und, wenn es die Zeit erlaubt, ein Boot für die Weiterfahrt mieten, mit dem man dann flussabwärts in die noch ältere Königsstadt Bagan schippert.
Tal der Tempel. Bagan, und das bitte wörtlich nehmen, kann man nicht beschreiben. Man muss es sehen. Über 2.000 Pagoden aus Ziegelstein erstrecken sich hier bis zum Horizont. Einige wenige darf man heute noch besteigen. Für einen kompletten Überblick muss man aber schon in einen Heißluftballon steigen. Denn losgelöst fühlt man sich im Tal der Tempel, das die UNESCO aus politischen Gründen noch immer nicht zum Welterbe ernannt hat, ohnehin. Und genau das sollte eine Reise doch bewirken.


Einreisebestimmungen
Österreicher brauchen für Reisen nach Myanmar einen noch mindestens sechs Monate gültigen Reisepass und ein burmesisches Visum. Touristenvisa sind insgesamt drei Monate und nach der Einreise noch 28 Tage gültig. Österreicher müssen sich an die Botschaft von Myanmar in Berlin, Thielallee 19, Tel. 0049 30 206 15 70 wenden.

Geld
Derzeit werden nur US-Dollar uneingeschränkt gewechselt. Es empfiehlt sich, nur 100er-Scheine mitzunehmen, da für diese die niedrigsten Umtauschgebühren verrechnet werden (auf der Straße wechseln, nicht bei der Bank!). Reiseschecks und Kreditkarten werden landesweit nicht mehr akzeptiert.

Reisezeit & Gesundheit
Beste Reisezeit ist von Oktober bis Mai. Impfungen sind keine vorgeschrieben.Bei Trekkingtouren Malariaprophylaxe verwenden.


Fotos: Shutterstock
Erschienen im neuen NEWSreisen Magazin 2011